Das Megawelle Journal - Inselmagazin für Teneriffa, La Gomera, La Palma, Gran Canaria und El Hierro
Flamenco - Schmerz und Leidenschaft
August 06: Flamenco ist eine Besonderheit Andalusiens und zu einem der spanischen Klischees schlechthin geworden. Doch dabei ist längst nicht alles Flamenco, was sich ein Ausländer unter diesem Namen vorstellen mag. So gibt es eine Reihe andalusischer Volkstänze die häufig mit dem eigentlichen Flamenco verwechselt werden. Doch Flamenco ist nicht nur ein simpler Tanz, sondern eine Lebenseinstellung.
Woher diese Interpretation des Wortes „Flamenco“ stammt, das ja eigentlich „flämisch, aus Flandern“ bedeutet, weiß man bis heute nicht so genau, doch als gesichert gilt, daß Flamenco eine bestimmte Verhaltensweise ausdrückt, noch bevor damit eine besondere Verbindung von Tanz und Musik benannt wurde. So wird in Spanien ein gewisser Menschentyp als „Flamenco“ bezeichnet. Diese Personen müssen nicht einmal Tänzer, Sänger oder Musiker sein. Nein, es sind Menschen, die ihre Gefühle offen zeigen, denen Bewegungsfreiheit mehr bedeutet als der Erwerb von Eigentum und für die Spontaneität wichtiger ist als Konventionen.
Seine Ursprünge hat der Flamenco in der von der spanischen Bevölkerung völlig abgeschottet lebenden Volksgruppe der Gitanos (Zigeuner). Nachgewiesen sind aber auch Einflüsse aus Nordafrika, Pakistan und Indien. Die Anklänge ans arabisch-maurische sind besonders im Gesang unüberhörbar. Die regionalen Anfänge liegen im so genannten „Flamenco-Dreieck“ zwischen Ronda, Cadiz und Sevilla. Dabei wurden in Spanien, die leidenschaftlichen und schmerzvollen Klänge lange Zeit ebenso abgelehnt wie ihre Urheber, die „Gitanos" genannten andalusischen Zigeuner.
Lange Zeit galt Flamenco als reine Gesangskunst, dessen Texte sich um Trauer, Einsamkeit und Leidenschaft drehen. Heute besitzt der Flamenco drei Hauptelemente, den Gesang (el cante), den Tanz (baile) und das Gitarrenspiel (toque). Wer den Flamenco singt, muß nicht „schön“, aber ausdrucksstark singen können. Von allen Gesängen gilt wohl der so genannte „siguiriya“ als die entscheidende Kunstprobe der Sänger. Die Texte der siguiriya sind ein einziger leidenschaftlicher Aufschrei der Seele, die sich gegen Unterdrückung, die Vergänglichkeit der Liebe und gegen den Tod als ständiger Begleiter des Menschen aufbäumt.
Der Flamenco als Tanz, fälschlicherweise von vielen für den Kern des Flamencos gehalten, versucht durch Körperbewegung, wie eine Art Gebärdensprache, die in den Gesängen angesiedelten Gefühle freizulegen. Der „baile flamenco“ wirkt im Gegensatz zu allen übrigen europäischen Tänzen nicht schwerelos, sondern er versucht mit einer geradezu majestätischen Anordnung der Füße die Erdverbundenheit jederzeit zu sichern. Bei manchen Aufführungen sieht man auch Kastagnetten, nicht jedoch beim klassischen Tanz, da sie das Gebärdenspiel der Hände zu sehr einschränken. Eine feste Schrittfolge existiert nicht, wie der Tänzer seine Gefühle ausdrückt, bleibt ihm selbst überlassen. Die Flamenco-GitarreAls beliebtes Begleitinstrument setzte sich im 18.Jahrhundert die Gitarre durch. Davor wurde der Rhythmus durch Händeklatschen und Fingerschnalzen unterstützt oder man klopfte ganz einfach den Rhythmus mit den Knöcheln auf den Tisch. Der Begriff „El toque“ wird auf alles angewendet, was mit der Kunst, die Flamencogitarre zu spielen, zusammenhängt. Grundlegend für die Technik und den Klang der Gitarre ist jedoch ein großes Repertoire an Fingerbewegungen der rechten Hand. Die Saiten sind bei diesem Instrument dicht am Gitarrenhals befestigt, so daß sie nachhallende, fast kreischende Töne von sich gibt, die mit der ausdrucksstarken Gesangsstimme harmonisieren. Darüber hinaus muß der Gitarrist das komplizierte Spiel der Füße (zapateado) auf sein Instrument übertragen.
Goldenes ZeitalterUm Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Flamenco seine Blüte. Um 1840 wurden im Flamenco Dreieck die ersten „Cafes Cantantes“ (kabarettähnlich) gegründet. Diese speziellen Flamenco-Lokale, die zum Teil aus Ballettschulen und Tanztheatern hervorgingen, machten ein großes Publikum mit dem Flamenco vertraut. Gleichzeitig professionalisierten sich die Musiker, und das Repertoire erweiterte sich, indem andalusische Liedformen adaptiert wurden. Die rauen, heiseren Stimmen der Gitanos bekamen Konkurrenz durch helle und hohe Stimmen, die durch die italienische Oper beliebt geworden waren. Nun betraten auch erstmals „payos", Nicht-Gitanos, die Bühne. Doch wer viele Auftritte hat, neigt zur Routine, eine Eigenschaft die dem Wesen des Flamencos widerspricht. Der Flamenco, der einst von der Spontaneität der Künstler lebte, wurde im neuen Zeitalter entstellt. Der neue „Postkarten-Flamenco“, ein folkloristischer, verfälschter, süßlicher Flamenco, erfreute sich von nun an großer Beliebtheit.
Flamenco heuteDie Kommerzialisierung des Flamencos stieß nicht überall auf Gegenliebe. So versuchten Intellektuelle und Künstler in den 20er Jahren den „puren“ Flamenco mit Hilfen von großen Wettbewerben, wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Doch das konnte nicht verhindern, dass es damals wie heute, zwei Formen des Flamenco gibt: „den guten, wahren und echten“ und einen, der auf Geld basiert.
Guten Flamenco zu erleben ist gar nicht so leicht, auch nicht in Andalusien. Häufig ist das Programm auf Touristen zugeschnitten. Gute Chancen ihn zu erleben, hat derjenige der das große Flamencofestival in Sevilla besucht. Der „Bienal de Flamenco“ wird immer in den geraden Jahren (also 2006, 2008….) jeweils von Anfang September bis Anfang Oktober gefeiert.
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Woher diese Interpretation des Wortes „Flamenco“ stammt, das ja eigentlich „flämisch, aus Flandern“ bedeutet, weiß man bis heute nicht so genau, doch als gesichert gilt, daß Flamenco eine bestimmte Verhaltensweise ausdrückt, noch bevor damit eine besondere Verbindung von Tanz und Musik benannt wurde. So wird in Spanien ein gewisser Menschentyp als „Flamenco“ bezeichnet. Diese Personen müssen nicht einmal Tänzer, Sänger oder Musiker sein. Nein, es sind Menschen, die ihre Gefühle offen zeigen, denen Bewegungsfreiheit mehr bedeutet als der Erwerb von Eigentum und für die Spontaneität wichtiger ist als Konventionen.
Seine Ursprünge hat der Flamenco in der von der spanischen Bevölkerung völlig abgeschottet lebenden Volksgruppe der Gitanos (Zigeuner). Nachgewiesen sind aber auch Einflüsse aus Nordafrika, Pakistan und Indien. Die Anklänge ans arabisch-maurische sind besonders im Gesang unüberhörbar. Die regionalen Anfänge liegen im so genannten „Flamenco-Dreieck“ zwischen Ronda, Cadiz und Sevilla. Dabei wurden in Spanien, die leidenschaftlichen und schmerzvollen Klänge lange Zeit ebenso abgelehnt wie ihre Urheber, die „Gitanos" genannten andalusischen Zigeuner.
Lange Zeit galt Flamenco als reine Gesangskunst, dessen Texte sich um Trauer, Einsamkeit und Leidenschaft drehen. Heute besitzt der Flamenco drei Hauptelemente, den Gesang (el cante), den Tanz (baile) und das Gitarrenspiel (toque). Wer den Flamenco singt, muß nicht „schön“, aber ausdrucksstark singen können. Von allen Gesängen gilt wohl der so genannte „siguiriya“ als die entscheidende Kunstprobe der Sänger. Die Texte der siguiriya sind ein einziger leidenschaftlicher Aufschrei der Seele, die sich gegen Unterdrückung, die Vergänglichkeit der Liebe und gegen den Tod als ständiger Begleiter des Menschen aufbäumt.
Der Flamenco als Tanz, fälschlicherweise von vielen für den Kern des Flamencos gehalten, versucht durch Körperbewegung, wie eine Art Gebärdensprache, die in den Gesängen angesiedelten Gefühle freizulegen. Der „baile flamenco“ wirkt im Gegensatz zu allen übrigen europäischen Tänzen nicht schwerelos, sondern er versucht mit einer geradezu majestätischen Anordnung der Füße die Erdverbundenheit jederzeit zu sichern. Bei manchen Aufführungen sieht man auch Kastagnetten, nicht jedoch beim klassischen Tanz, da sie das Gebärdenspiel der Hände zu sehr einschränken. Eine feste Schrittfolge existiert nicht, wie der Tänzer seine Gefühle ausdrückt, bleibt ihm selbst überlassen. Die Flamenco-GitarreAls beliebtes Begleitinstrument setzte sich im 18.Jahrhundert die Gitarre durch. Davor wurde der Rhythmus durch Händeklatschen und Fingerschnalzen unterstützt oder man klopfte ganz einfach den Rhythmus mit den Knöcheln auf den Tisch. Der Begriff „El toque“ wird auf alles angewendet, was mit der Kunst, die Flamencogitarre zu spielen, zusammenhängt. Grundlegend für die Technik und den Klang der Gitarre ist jedoch ein großes Repertoire an Fingerbewegungen der rechten Hand. Die Saiten sind bei diesem Instrument dicht am Gitarrenhals befestigt, so daß sie nachhallende, fast kreischende Töne von sich gibt, die mit der ausdrucksstarken Gesangsstimme harmonisieren. Darüber hinaus muß der Gitarrist das komplizierte Spiel der Füße (zapateado) auf sein Instrument übertragen.
Goldenes ZeitalterUm Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Flamenco seine Blüte. Um 1840 wurden im Flamenco Dreieck die ersten „Cafes Cantantes“ (kabarettähnlich) gegründet. Diese speziellen Flamenco-Lokale, die zum Teil aus Ballettschulen und Tanztheatern hervorgingen, machten ein großes Publikum mit dem Flamenco vertraut. Gleichzeitig professionalisierten sich die Musiker, und das Repertoire erweiterte sich, indem andalusische Liedformen adaptiert wurden. Die rauen, heiseren Stimmen der Gitanos bekamen Konkurrenz durch helle und hohe Stimmen, die durch die italienische Oper beliebt geworden waren. Nun betraten auch erstmals „payos", Nicht-Gitanos, die Bühne. Doch wer viele Auftritte hat, neigt zur Routine, eine Eigenschaft die dem Wesen des Flamencos widerspricht. Der Flamenco, der einst von der Spontaneität der Künstler lebte, wurde im neuen Zeitalter entstellt. Der neue „Postkarten-Flamenco“, ein folkloristischer, verfälschter, süßlicher Flamenco, erfreute sich von nun an großer Beliebtheit.
Flamenco heuteDie Kommerzialisierung des Flamencos stieß nicht überall auf Gegenliebe. So versuchten Intellektuelle und Künstler in den 20er Jahren den „puren“ Flamenco mit Hilfen von großen Wettbewerben, wieder ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Doch das konnte nicht verhindern, dass es damals wie heute, zwei Formen des Flamenco gibt: „den guten, wahren und echten“ und einen, der auf Geld basiert.
Guten Flamenco zu erleben ist gar nicht so leicht, auch nicht in Andalusien. Häufig ist das Programm auf Touristen zugeschnitten. Gute Chancen ihn zu erleben, hat derjenige der das große Flamencofestival in Sevilla besucht. Der „Bienal de Flamenco“ wird immer in den geraden Jahren (also 2006, 2008….) jeweils von Anfang September bis Anfang Oktober gefeiert.
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