400 Jahre Operngeschichte - „Ópera de Tenerife 2007“ Bühne frei für das 37. Opern-Festival

September 07: Die erste bedeutende Oper schrieb Monteverdi 1607 mit „Orfeo“, sie wurde maßgeblich bestimmend für die Entwicklung des Genres Oper. 1637 errichtete und eröffnete man in Venedig vorausschauend, die Bedeutung der neuen Kunstrichtung erkennend, das erste Opernhaus. In ihm wurden bei den aufgeführten Werken besonders die neuen Formen der Arie, Kanzone und Kavatine ausgearbeitet. Dazu kam der römische Einfluß zu prunkvoller Ausstattung, hohem Choranteil und moralisch allegorischen Texten. Dieses neue Medium expandierte gleich nach Frankreich. Dort waren der Komponist Jean-Baptiste Lully und der Dichter Philippe Quimault die Bahnbrecher: Sie begründeten die französische „Tragédie Lyrique“. England zog mit den Werken von Henry Purcell nach, und bald folgte auch Deutschland, speziell auf der Szene in Wien und Dresden. 1737 jedoch verdrängte besonders die Bühne in Hamburg den fremden Einfluß und propagierte die deutsch-sprachige Oper bis hin zu W. A. Mozart, der dann endgültig die deutsche Oper ins Leben rief.

Das vielseitige und reiche Œvre deutscher Opernschöpfer ab dem 18. Jhd. ist wohl hinreichend bekannt und zeigt sich grundlegend in 2 Formen der Arbeitsmethode der Schöpfer: Einmal die „Nummern-Oper“, eine Folge in sich geschlossener Musikstücke (Overtüre, Soloarien, Ensembles, Chöre, Instrumentalsätze), zum anderen die durchkomponierte Oper, fortlaufend symphonisch konzipiert, wie sie etwa bei Richard Wagner zu finden ist. Grundlage bildet oft eine literarische Vorlage oder das darauf beruhende Libretto.

Ab dem 18. bis zum frühen 20. Jhd. wurde durch Spontini der Weg für die tragische, meist historische „Grand Opera“ gelegt („Die Vestalin“ 1807), und C.M.v. Weber kreierte mit seinem „Freischütz“ die romantische deutsche Nationaloper. In den Ländern Osteuropas bildeten sich nationale Schulen, vor allem in Russland (Glinka, Mussorgskij, Rimskij-Korsakow und überragend P.J.Tschaikowski). In Böhmen brillierten Smetana, Dvorak und Janacek mit ihren Werken, England folgte mit seiner Tondichterelite. Dazu die lange Reihe der deutschen Schöpfer von den Neuromantikern bis hin zu den Expressionisten und zeitnahen Wegbereitern des Faszinosiums Oper. Heute meint kaum ein bekannter Dirigent, ohne Opern-Repertoire auskommen zu können – weltweit.

Nach diesem Schnelldurchlauf durch die Opernhistorie jetzt zu unserem aktuellen Anlaß: Das „37. Festival de Ópera de Tenerife”. So ein Ereignis jährlich auf unserer Insel zeigt deutlich, daß wir (wie auch in der klassischen Musik) mitten im transkontinentalen Musikkalender stehen. Unterstrichen wird das auch durch die internationalen Gastkünstler und nicht zuletzt durch den Besucherandrang.
In diesem Jahr haben wir wieder 3 Monate mit Inszenierungen von der Romantik bis hin zur Moderne. Außerdem ist bei einer Aufführung speziell an die Jugend gedacht, die ja die kommende Generation der Opernfreunde werden soll.

Die Übersicht über das Gesamtprogramm:

September 2007, am 25., 27. und 29.:
„Turandot“ (UA 1926) von Giacomo Puccini
Oktober 2007, am 11. und 12.:
„Susannes Geheimnis“ (UA 1909) von Ermanno Wolf-Ferrari und die „Florentinische Tragödie“ (UA 1917), ein Einakter aus der Feder von Alexander von Zemlinsky.
Ebenfalls im Oktober 2007, am 18. und 20.:
„Don Pasquale“ /UA 1843) von Gaetano Donizetti.
November 2007, am 8. und 10.:
„Die Drehung der Schraube“, oder anders deutsch betitelt „Die sündigen Engel“ oder auch „Die Besessenen“ (UA 1954) von Benjamin Britten nach einer Erzählung von Harry James. Engl. Titel „The Turn of the Screw“.
November 2007, am 18. und 19.:
„Hänsel und Gretel“ (UA 1893) von Engelbert Humperdinck in einer speziellen Inszenierung für junge Leute.

Alle Aufführungen finden im Auditorio de Tenerife immer um 20.30 Uhr statt.
Der Vorverkauf von Abos und Einzeltickets hat bereits begonnen. Sie können direkt am Ticketoffice im Auditorium buchen (Zeiten beachten!) auch telefonisch unter 902 317 327, im Netz unter www.auditoriodetenerife.com oder an den Multifunktions-Automaten von Caja Canarias. Bei Buchungen im Auditorium können Rentner. Residente und Jugendliche diverse Preisermäßigungen in Anspruch nehmen.

Oper, liebe Leser, war schon vom Anbeginn her immer ein festliches, gesellschaftliches Ereignis. Anfangs einer priviligierten Gruppe vorbehalten, wurde sie ab der Mitte des 20. Jhd. endlich Allgemeingut und steht allen Kreisen offen. Den festlichen Charakter haben solche Aufführungen – weder auf der Musikbühne als auch im Orchesterkonzert – nie verloren. Klar, die Gaderobe-Gewohnheiten sind lockerer geworden. Doch es ist schon angeraten, auch sein Outfit darauf abzustimmen. Kunst ist ernst, aber auch heiter. Sie zu ehren erfordert etwas Stil, wie es eben allen Künsten gebührt.
In diesem Sinne Bühne frei, wünscht Ihnen
Heinz-Rodolf Renelt

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