September 07: Einer, der das Bienlerhandwerk von der Pike auf gelernt hat, ist Klaus Friedrich. Schon mit 14 Jahren pflegte er eigene Völker, später machte er die entsprechende Ausbildung und schloß mit dem „Imkermeister“ ab. Denn, anders als in Spanien, ist die Imkerei in Deutschland ein Lehrberuf. Entsprechend gründlicher und professioneller wird sie dort auch betrieben. Klaus Friedrich brachte nicht nur sein Wissen nach Teneriffa, sondern auch die Ausrüstung sowie Reinzuchtköniginnen der „Carnica-Rasse“ aus Deutschland mit, eine besonders produktive und gutmütige Art. Letzteres zeigt sich, als er eine Biene aus dem Pullover holt, die sich dort versteckt hatte, „weil es da so schön warm ist.“ Wir befinden uns in La Montañeta, in den Bergen oberhalb von Garachico, dicke Wolken und Nieselregen lassen einen vergessen, daß man sich im August auf den Kanaren befindet. Entsprechend lustlos fliegen nur wenige Pollensammlerinnen aus und stören sich nicht an uns, auch wenn wir die Deckel der Bienenhäuser lüpfen, um das Gesumme im Inneren zu betrachten. Brave Tiere, fürwahr. Vor kurzem erst hätten sie beinahe ihr Zuhause verloren, als das große Feuer an ihren Stöcken vorbeizog. Weiter oben brannte es, weiter unten auch, doch der alte Obstgarten, in dem sie stehen, ist grün wie immer. Sonst wären sie vor dem Feuer geflohen und hätten sich woanders einen wilden Stock gebaut, wenn auch ohne ihre Brut und ohne Vorräte. So aber blieben sie ihrem Imker erhalten, wie auch der wertvolle Inhalt ihrer Waben: der Honig, das Wachs, die Pollen und „Propolis“, ein vielseitiges Heilmittel.
In den zwei Jahren, die Klaus Friedrich mit seiner Lebensgefährtin nun in El Tanque lebt, hat er 35 Bienenvölker aufgebaut. Das ist aber erst der Anfang, denn bis zu 500 könnte er betreuen. Die Arbeit ist vielseitig: die Pflege der Stöcke und der Gesundheit der Bewohner, die Wachsverarbeitung und natürlich die Honigerzeugung. Cremigen Honig, wie er hier selten, in Deutschland jedoch beliebt ist, erzeugt er mit Hilfe spezieller Rührwerke (Bild oben). Doch zuvor muß der Honig geschleudert werden. Die Edelstahlschleuder aus Deutschland faßt 54 Waben und ist die größte in Europa erhältliche (Bild vorige Seite oben). 2-5 kg Honig lassen sich damit aus jeder Wabe gewinnen, schonend über die Drehzahlregelung, ohne daß die Waben brechen. Je nach Jahreszeit und Standort der Stöcke entstehen ganz verschiedene Geschmacksrichtungen. Der Honig ist naturrein, da Klaus Friedrich streng biologisch produziert. Er war seinerzeit mit seinen 200 Völkern in der Rhön der erste Bio-Imker in Hessen. Die Kollegen spöttelten damals „das geht doch nie“ – heute haben viele selbst die Bio-Methoden übernommen.
Lebenswichtig ist dabei die Bekämpfung der „Varroa-Milbe“, einem Schädling, der in den Stöcken den Bienen und ihren Larven die Haemolymphe, also das „Blut“ aussaugt. Seit einigen Jahrzehnten bedroht diese Milbe weltweit die Bienenzucht, und die Antwort darauf war zunächst Gift: Insektizide. Bis ein Deutscher herausfand, daß sich Vögel manchmal in Ameisenhaufen wälzen, um gebissen zu werden, wenn sie von Milben befallen sind. So kam er darauf, Ameisensäure in den Bienenstöcken gegen die Milben einzusetzen, und siehe da: es funktionierte! Ameisensäure ist ein Naturprodukt, schadet den Bienen nicht und ist zudem billig. Daraufhin verfolgte die Pharmaindustrie den Erfinder mit Prozessen und ruinierte ihn finanziell, da sie ihren Giftverkauf gefährdet sah. Dennoch konnte sie den Einsatz des Mittels bei Bio-Imkern nicht verhindern. Gute Ideen setzen sich letztlich durch, mag es manchmal auch lange dauern.
Doch nicht nur Bio-Honig wird hergestellt, er wird auch zu Met, also Honigwein vergoren, und sogar einen Honigschnaps brennt Klaus seit neuestem. Interessant sind auch die Produkte, die er aus dem Bienenwachs herstellt. Vor allem natürlich Kerzen in allen Formen, sei es gezogen, gegossen oder gedreht. Doch auch kleine Figürchen verkaufen sich gut auf kanarischen Kunsthandwerksmessen. Nicht zu vergessen die Wachsplatten für die Waben, die die Bienen dann auf der selbstgegossenen Mittelplatte aufbauen. Holzrahmen und Stöcke schreinert Klaus ebenfalls selbst, eine Holzwerkstatt gehört zu seiner Ausrüstung.
Die Imkerei ist auf Teneriffa klimabedingt anders als im kalten Deutschland. Die Winterpause fällt hier weg, da es für die Immen das ganze Jahr etwas zu ernten gibt. Die interessantesten Zonen zwischen 200 und 400 Höhenmetern sind allerdings schon ziemlich zersiedelt, so daß die Bienler ihre Stöcke immer mehr in höheren Lagen aufstellen müssen. Extrem sind dabei die Cañadas, wo nur im Frühjahr etwas zu holen ist, nämlich bei den Ginster- und Tajinasteblüten. Die tieferen Hanglagen im Nordwesten sind durch alte Obstgärten und Heidegebiete vielfältiger und bieten dadurch mehr Geschmacksvariationen. Außer der von Klaus bevorzugten „Carnica” findet man auf den Kanaren auch die italienische sowie die einheimische schwarze Biene. Die ist allerdings etwas stechfreudiger als ihre Schwestern. Auch wenn man versucht, ihre Art zumindest auf La Palma rein zu halten so wird das auf Dauer nicht gelingen. Eine Vermischung ist kaum zu vermeiden.
Angesprochen auf das „Bienensterben”, über das neuerdings viel geschrieben wird, konnte Klaus eigene Erfahrungen schildern: Vor sieben Jahren verschwanden einige seiner Völker spurlos, sie ließen die mit Honig- und Pollen gefüllten Stöcke einfach zurück. So etwas hatte es noch nie gegeben! Einzige Erklärung dafür war ein Mobilfunksender, der just zu dieser Zeit 100 m weiter in Betrieb genommen worden war. Daß elektromagnetische Felder Bienen beeinflussen, ist für erfahrene Imker nichts Neues. Immer wieder wurde beobachtet, daß auch die friedlichsten Völker plötzlich aggressiv werden, wenn man die Stöcke in der Nähe von Hochspannungsleitungen aufstellt. Doch auch chemische Gifte, wie sie von genveränderten Kulturen produziert werden, könnten hier ihren Teil beitragen. Forschungsbedarf besteht, man darf aber daran zweifeln, daß „unbequeme” Ergebnisse publiziert werden, wenn Milliardengeschäfte dadurch gefährdet scheinen.
Ein Blick ins Innere eines Stocks
Bis dahin halten wir uns auf der Insel möglichst fern von schädlichen Feldern und ernähren uns möglichst natürlich. Honig, Wein, Schnaps, Propolis und Kerzen erhalten Sie direkt bei Klaus Friedrich in El Tanque, nach Anmeldung unter: 922 136 342.



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