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Auf den Spuren des großen Meisters - Barcelona und Gaudí: Eine Stadt und ihr Architekt

November 07: Ein Name ist untrennbar mit Barcelona verbunden: Antoni Gaudí. Der Architekt hat mit seinem eigenwilligen Stil das Erscheinungsbild der katalanischen Hauptstadt maßgeblich geprägt. Was uns bis heute an Gaudí fasziniert ist seine unbändige Kreativität. Die Kombination aus originellem Design, interessant geformten Steinen und lebhaften Farben in Gaudís Werken ermöglicht dem Betrachter eine in der Tat atemberaubende visuelle Erfahrung. Die Begeisterung für das Mittelalter, die Entdeckung der Gotik und intensive Studien maurischer Bauten fanden Ausdruck in den Schaffensjahren des 1852 in Reus in der Provinz Tarragona geborenen Antoni Gaudí i Cornet.
Um 1900 begann Gaudí, sich entschieden von der Bauweise seiner Arbeitskollegen abzuwenden und seine eigene Formsprache zu entwickeln, die seinen Ruhm begründen sollte. Für seine Bauwerke bediente er sich des „Modernisme“. Mit seinen organischen runden Formen, geschwungenen Linien und unregelmäßigen Grundrissen sowie dem Einsatz vieler bunter Keramikfliesen konstruierte er eine regelrechte Märchenwelt. Kunst und Architektur verschmelzen bei ihm zu einer Einheit, so dass seine Gebäude wie eine expressionistische Skulptur wirken. Vor allem seine intensive Beschäftigung mit der Natur inspirierte ihn für seine Formgebungen und war Ausgangspunkt für die organische Bauweise wie sie in Wien mit dem „Hundertwasser Haus“ oder in Sydney mit den beschwingten Formen der Oper realisiert wurden. Heute arbeiten Naturwissenschaftler und Designer zusammen, sie entwickeln Produkte, die sich an Vorbildern der Natur orientieren, so wie es Gaudí bereits vor 100 Jahren getan hat.

Die Sagrada Familia
Das wohl bekannteste Wahrzeichen der 1,6 Millionen Einwohner Stadt gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Barcelonatouristen. Die riesige Kirche nimmt einen ganzen 17.822 Quadratmeter messenden Straßenblock ein. 1883 übernahm Antonio Gaudí den Auftrag zum Bau einer „Kirche der Armen“. Bis 1910 wollte er damit fertig werden. Sie ist bis heute eine Baustelle und es wird wohl noch sehr viele Jahre dauern, bis man ein Foto der Sagrada Familia machen kann, auf der keine Baukräne zu sehen sind. Je nachdem, von welcher Seite man sich dem Bau nähert, wird man mit völlig unterschiedlichen Fassaden konfrontiert. Ein besonderes Aussehen verleihen der Kirche auch ihre Türme, die mit herkömmlichen Kirchtürmen nicht das Geringste gemein haben. Im Inneren der Kirche, das man für acht gut investierte Euro betreten kann, bieten sich den Besuchern völlig unterschiedliche Bilder und Erfahrungen. Während man im unteren Teil der Kirche in riesigen, säulengestützten Hallen mit hohen Fenstern wandelt, fühlt man sich in den oberen Teilen wie in einem verwinkelten Labyrinth, das an jeder Ecke neue Überraschungen bereit hält.

Casa Milà
Von 1906 bis 1912 schuf Gaudí das repräsentativste Werk des „Modernisme“, die Casa Milà (Passeig de Gràcia). Das Wohnhaus hat drei Fassaden, die durch die Steinfassade in Wellenform und die Eisenbalkone in einer Mixtur aus Landschaft und abstrakter Skulptur ineinander integriert sind. Die interne Struktur des Gebäudes beruht auf einem Säulensystem, das die traditionellen tragenden Wände ablöste, was noch heute Architekten aus aller Welt bewundern. Der wahre Höhepunkt des Gebäudes aber ist das Dach. Dort spielt Gaudí mit den Erwartungen des Besuchers, wenn dieser zwischen steinernen Soldatenköpfen umherwandert und schon hinter der nächsten Ecke in eines der Löcher in einem riesigen Zylinder starrt, das auf den ersten Blick wie ein weit offen stehender Mund wirkt, nur um aus einem anderen Blickwinkel ein Auge und aus dem nächsten wieder ein Mund zu sein.

Bilderstrecke


Casa Batlló
Sehr typisch für den „Modernisme“ ist die Rückkehr zu natürlichen Elementen, wie man sie an diesem Gebäude entdecken kann. So erinnern die sanft geschwungenen Balkone der Casa Batlló an die Wellen des Meeres. Die gesamte Fassade ist von Blumen übersäumt. Die Casa Batlló wurde 1904-1906 im Auftrag des Industriellen Josep Batlló von Grund auf umgebaut. Besonders im unteren Teil ist Gaudís Handschrift überdeutlich. Mit diesem Gebäude wollte der fantasievolle Architekt den Drachen der St. Georg-Legende darstellen: Das Dach ist wie der Rücken eines Untiers geformt und mit großen, glänzenden Schuppen versehen. In den Fensteröffnungen befinden sich Säulen, die die Form von Knochen haben. Beide Gebäude stehen auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Die nächste Station verbindet zwei der Highlights eines Barcelona-Besuchs: Entspannende Spaziergänge vor grandioser Kulisse und die Kunst - ja, es gibt kein Entrinnen - Gaudís.

Park Güell
Wer genug hat von den Heldentaten Gaudís, kann sich im Park Güell wenigstens an der frischen Luft bewegen. Der Architekt plante im großen Stil eine Gartenstadt mit 60 Villen, von denen jedoch nur zwei verkauft wurden. Das Vorhaben scheiterte so zwar, doch heute ist der Park eine der großen Touristenattraktionen Barcelonas. Direkt am Eingang wird der Besucher von Häusern empfangen, die einem zuletzt in einem Weihnachtsbackbuch unter „L“ wie „Lebkuchenhaus“ untergekommen sind. Ein märchenhafter Park mit unzähligen Details aus Mosaiken und fantasievollen Säulen überzeugt wohl letztendlich jeden Besucher von der Einzigartigkeit des Architekten. Wer sich genauer über das Leben Gaudís informieren will, kann dies im ebenfalls im Park gelegenen Museum tun, das im ehemaligen Wohnhaus des Architekten untergebracht ist.

Das tragische Ende
Am Spätnachmittag des 7. Juni 1926 erfasste eine Straßenbahn einen alten Mann und schleifte ihn mit. Der Alte machte einen ärmlichen Eindruck. In den Taschen seines verwahrlosten Anzugs fand man ein paar Nüsse und eine Hand voll Rosinen. Und eine Bibel. Taxifahrer lehnten es ab, den Schwerverletzten ins Krankenhaus zu bringen. Am 10. Juni ist er den schweren Verletzungen in einem Armen-Hospital erlegen. Zwar starb er wie ein Bettler, zu Grabe getragen aber wurde er wie ein König.

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