Das Megawelle Journal - Inselmagazin für Teneriffa, La Gomera, La Palma, Gran Canaria und El Hierro

Edle Hunde der Kanaren - Freunde, Helfer und Gefährten

November 07: Aber nichts dergleichen passierte. Wir fixierten uns, seine schönen bernsteinfarbenen Augen hatte er auf mich gerichtet. Die Ohren leicht aufgestellt, die Stellung des Schwanzes, die Rute, verriet ebenfalls Spannung. Bald folgte ihm sein spanischer Herr. Es war klar zu sehen: Sie gehörten untrennbar zusammen. Es war ein Hund der seltenen spanischen Hunderasse „Bardino“, auch „Verdino“ genannt. Das glatte Fell hat oft einen olivgrünen Schimmer.

Der Bardino
Ein Rüde kann bis zu 45 kg wiegen, eine Bardina bis 35 kg, bei einer Schulterhöhe bis zu 63 cm. Dass er ein absoluter Familienhund ist, wachsam, verspielt und schmusig, wenn er jung ist, war schon überraschend bei der beachtlichen Körpergröße und muskulösen Statur. Erstaunlich, dass er keinen ausgeprägten Jagdtrieb hat.
Die Bardinos haben den Menschen in der Landwirtschaft als Hüte- und Wachhund beigestanden. Wann auch immer die Hunde auf die Inseln gelangt sein mochten, sie sind heute in ihren Kreuzungen mit glattem Fell, oftmals mit hellem Brustfleck, kräftigem Kiefer, immer noch absolut typisch für Teneriffa. Auf Fuerteventura sind die Hunde von schlankerem Körperbau.

Vor etwa Zweitausend Jahren legten die ersten römischen Galeeren an den Kanaren an. Außer von der Naturschönheit waren die Römer vor allem von der großen Anzahl stattlicher, schöner Hunde beeindruckt und begeistert. Ein paar Welpen machten sie dem König von Mauretanien, Juba II., zum Geschenk. Dieser verlieh dem Archipel darauf den Namen: Inseln „de canes“. Die Inseln erschienen damit erstmals auf den Weltkarten. Sind die Kanaren die Inseln der Hunde? Man könnte es fast glauben. Der Römer Plinius, auch der Historiker und Naturforscher Viera y Clavijo bekräftigten diese Meinung als am wahrscheinlichsten. Anthropologen schreiben den Namen aber auch einem Berberstamm zu, den „Canarii“.

Lange Zeit war der Bestand dieser Hunde bedroht. Die Conquistadores verließen eine Verordnung, dass jedem Hirten nur ein Hund als Helfer zustünde. Der Bardino, der Hütehund der Ziegenherden, verwilderte mehr und mehr. „Schlimmer als die Wölfe“ wurden sie genannt. Die Spanier fürchteten ihre große Zahl und ordneten sogar die Tötung an. Erst die Liebe des spanischen Gouverneurs Castello zu einer Guanchenprinzessin hob 1499 diese Verordnung auf. „Der Bardino ist ein ehrbarer Hund“, verkündete er und unterstützte so die Liebe der Einwohner zu ihrem Haustier. Die Verdinos haben überlebt. Hundekämpfe wie sie die Engländer einführten, sind heute verboten, auch Kreuzungen mit dem Dogo Canario.

Der spanische Bordino, eine Doggenart, ist ein ausgesprochener Haushund. Seine Gestalt ist für den Kenner einzigartig: Seine Fellzeichnung von Gold, Grün bis Schwarz ist gestromt, als hätte ein Maler mit Pinsel und Farbe die Schattierungen auf den Körper gestrichelt, kraftstrotzend sein Körper mit enormen Muskelpaketen. Sein Charakter ist ausgeglichen. Einer Familie, Kindern und Artgenossen gleicht er sich friedlich an – nicht einmal Katzen verbellt er (was für eine Ausnahme!) Er kann 15 Jahre und älter werden und ist ein intelligenter und lernfähiger Hund. Typisch für ihn sind seine lockere Wamme (Halsmuskulatur), leicht hängende Lefzen mit ausgeprägtem Gebiss. Eine rudimentäre Erscheinung ist die „doppelte Wolfskralle“, „los dos cunjas“. Er weiß genau, wie er die Liebe seines Herrn erringen kann.

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Der Podenco
Ganz anders verlief die erste Begegnung mit dem „Podenco Canario“, einer Hunderasse, die ihre Heimat auf den Kanaren hat. Auf Teneriffa sah ich sie zuerst am Rande der Cañadas. Auf langen Beinen mit superschlankem, mageren Körper, schmalem Kopf mit langgezogener Schnauze und großen, fledermausartigen Ohren flüchteten sie ins Gebüsch. Sie haben ihre Futterplätze, von Tierfreunden versorgt, meist in der Nähe von Aussichtspunkten der Touristen. Ehrlich gesagt – mir gefielen sie nicht.
Meine Einstellung änderte sich gänzlich, als ich erfuhr, dass es sich um eine alte, anerkannte Jagdhundrasse handelt, die heute noch für die Jagd genutzt wird. Zum Jagen von Kaninchen werden sie hier auch offiziell gezüchtet. Der Podenco, auch als „Podengo“ bekannt, gehört zum Urtyp der Jagdhundrasse. Am auffälligsten ist seine schlanke Körperform, fast windhundartig, obwohl er nicht in diese Rasse eingestuft wird. Podencos sind absolute Solitärjäger, jagen und fangen die Beute meist mit „weichem Maul“ und bringen sie lebend ihrem Besitzer. Man trifft sie oft als Meute an, doch es gibt keine Streitigkeiten, sie arbeiten konfliktlos zusammen, umstöbern die Verstecke gemeinsam und stellen was flüchtet. Zu Hause sind sie eher ruhige, sanfte Zeitgenossen. Aber wehe, wenn sie losgelassen werden: Ihre Jagdlust, ihr Temperament ist kaum zu bändigen, sie jagen nicht nur nach Sicht, sondern mit Gehör und Nase. Der Jagdtrieb kann nur vom Halter gebremst werden, wenn er konsequent erzieherisch gearbeitet hat. Wer sich diesen Hund in sein Zuhause mitnimmt, sollte für das große Auslaufbedürfnis, den Freiheitsdrang und seinen Charakter sorgen. Er ist nun mal kein Schmusehund.

Der Dogo (die Dogge)
Der Bardino wird oft verwechselt mit dem „Dogo Canario“. Er trägt auch die Namen „Perro Presa“ oder „Alano“. Er ist eine wehrhafte Dogge. Der Schädel ist wuchtiger als beim Verdino. Ein absoluter Wach-Schutz-Sport- und Diensthund. Er hat hängende Ohren (oft kupiert) und ist leistungsfähig. Die Conquistadores brachten ihn vom spanischen Festland als Kriegshund mit. Typische Aufgaben fanden die Alanos beim Stierkampf. Auch Zusatznamen, wie z.B. „Dogo de Burgos“, „Chato de Presa“, „Perro de Torro“ oder „Spanish Bulldog“ sind je nach Territorium üblich. Vom Charakter her wird er als ruhig, nerven- und triebstark beschrieben.

Bei den Jagdhunden, den Podencos, erinnerte ich mich an eine zauberhafte Hundegeschichte von Marie von Ebner-Eschenbach: „Krambambuli“. Dort ist ein edler Jagdhund hin und hergerissen zwischen der Liebe zu seinem ersten Herrn, einem Wilderer und dem neuen gesetzestreuen Herrn, einem Jäger. Trennung, schmerzliche Entsagung, fehlende gewohnte Spaziergänge – Mensch und Tier knüpfen oft ein Band fürs Leben. Hunde, denen man seine Zuneigung, Hingabe und Zeit widmet, können zum Spiegelbild des eigenen Ichs werden.

Adelgund Renelt, Photos: Alex Piñero, ACFI-PRESS

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