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Gesundheit, Geld und Liebe… - Spanien feiert etwas anders
Dezember 2007: Wer Weihnachten in Spanien feiert, muss dabei auf den „lebendigen“ Weihnachtsmann verzichten. Dafür gibt’s neuerdings überall rotbemütze „Santa Claus“-Figuren amerikanischer Herkunft. Auch der Nikolaus steckt nichts in die blank geputzten Schuhe von Spaniens Kindern. Adventskalender oder Kränze sucht man vergeblich. Allerdings erstrahlen genau wie in Deutschland im Dezember Straßen und Geschäfte im Glanz tausender vorweihnachtlicher Lichter. Kandierte Früchte, Feigenbrot mit Mandeln und geröstete Kastanien ebnen den Weg der schönen und heiligen Zeit. Allem voran steht aber der Turrón, eine Art Nougat in vielen Varianten aus Jijona, der unumstrittenen Hauptstadt der spanischsten aller spanischen Naschereien. Ebenfalls einen festen Platz in der Vorweihnachtszeit haben die Krippenspiele (Belenes). Dabei werden in den spanischen Kirchen, auf öffentlichen Plätzen aber auch fast in jeden privaten Haushalt kunstvoll gestaltete Figuren aufgestellt, die die Geburt Christi nachstellen. Oftmals werden sogar Wettbewerbe um die schönste Krippe veranstaltet.
Am 22. Dezember fällt der Startschuss für die Feiertage: Die Weihnachtslotterie – sie gehört für die Spanier zum Fest, wie für uns Deutsche der Christbaum. Seit 194 Jahren (1812) findet „El Gordo“, die größte und älteste Weihnachtslotterie der Welt so statt, wie man sie bis heute kennt. Und egal ob in Andalusien, Galizien oder auf den Kanarischen Inseln – zwei Tage vor Weihnachten sitzt die gesamte Nation drei Stunden lang gebannt vor dem Fernseher, um die Ziehung der Lottozahlen zu verfolgen.
Am 24. Dezember (Noche buena) gibt es in Spanien keine Geschenke, stattdessen veranstalten die lottofreudigen Iberer eine kleine private Auslosung. Nach einem Weihnachtsessen im Kreise der Familie, für das gerne mal ein Monatslohn geopfert wird, darf sich jeder aus der so genannten „Urne des Schicksals“ ein kleines Geschenk nehmen. Meist sind es kleine Aufmerksamkeiten, aber auch Nieten sind dabei.
Ein traditionelles Weihnachtsessen gibt es für die Spanier nicht, sehr beliebt ist jedoch ein mit Kastanien, Äpfeln oder Pflaumen gefüllter Truthahn, aber auch Lammbraten kommen an diesem Tag genauso auf den Tisch wie Fisch oder Meeresfrüchte. Als Aperitif wird meist Käse und Schinken gereicht, abgerundet wird das Festmahl durch Weintrauben, Marzipan und einen Brandy.
Um Punkt zwölf der „Noche Buena“ folgt in einigen Gemeinden die Mitternachtsmesse, „Misa del Gallo“, die Messe des Hahns. Sie wird in Spanien so genannt, weil ein Hahn die Geburt Jesu als erster verkündet haben soll. Vor allem in ländlichen Gebieten ist es noch üblich, sich danach auf öffentlichen Plätzen zu treffen und gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Als Weihnachtsfeiertag ist übrigens nur der 25. Dezember deklariert, nur wenn dieser Tag auf einen Sonntag fällt, ist der nächste Tag frei.
Genau wie das Weihnachtsfest feiern die Spanier die „Noche Vieja“, die letzte Nacht im alten Jahr, mit einem ausgiebigen Essen im Kreise der Familie. Die meisten Restaurants sind am Silvesterabend ausgebucht, da man sich zum festlichen Schmaus gern in Lokalen trifft. Während der Mitternachtsstunden versammelt man sich dann auf den öffentlichen Plätzen der jeweiligen Stadt, um gemeinsam das Ritual der Glückstrauben zu vollziehen: Zwölf einzelne Weintrauben, in kleine Häufchen sortiert, müssen synchron zu jedem Glockenschlag in den Mund wandern. Bei jeder Traube soll man sich etwas wünschen. Wenn man alles richtig macht, werden sich alle zwölf Wünsche erfüllen.
Der Brauch des Traubenessens geht angeblich auf das Jahr 1909 zurück: Damals fiel die Weinernte so üppig aus, dass jemand auf die Idee gekommen sei, den Traubenberg auf diese Weise kommerziell abzubauen. Im Süden der Provinz Alicante werden bis heute die süßen Trauben geerntet, mit denen die Spanier ihrem Glück für das kommende Jahr auf die Sprünge helfen. Drei Tage vor Silvester steigt das Angebot an Weintrauben in den Supermärkten sprunghaft an. Mittlerweile werden auch geschälte Trauben in der Dose für immerhin 2,50 Euro angeboten.
Maßgebend für den Verzehr der Trauben sind die Glockenschläge der Rathausuhr. Doch hier wird etwas gemogelt: Ihr Schlag hallt nicht pro Sekunde, sondern alle drei Sekunden. Der Countdown bis Mitternacht beginnt demnach 36 Sekunden vor Anfang des neuen Jahres. Die künstlich verlängerten Glockenschläge haben auch einen triftigen Grund: Es wurden in den letzten Jahren viele Unfälle registriert, die durch das schnelle Schlucken der Weintrauben in einigen Fällen bis zum Erstickungstod führten. Und noch ein Ratschlag für alle: Überlegen sie sich ihre zwölf Wünsche vorher genau, denn auch drei Sekunden pro Traube lassen keine Zeit für weitschweifige Gedankengänge.
Ab Mitternacht werden – wie fast überall auf der Welt – die Sektgläser erhoben, Raketen in die Luft geschossen, sich umarmt und beglückwünscht. Doch ein Geheimnis hat der Spanier noch: Um dem Liebesglück im neuen Jahr ein wenig auf die Sprünge zu helfen, tragen sie am Silvester- und Neujahrstag rote Unterwäsche.
Während man in Deutschland am nächsten Tag den Rausch ausschläft, um sich mit den guten Vorsätzen am 2. Januar zur Arbeit zu quälen, erwartet die Spanier noch der Höhepunkt aller Feste: das heilige Dreikönigsfest. Gefeiert wird mit Umzügen und einer großen öffentlichen Bescherung für die Kinder. Ein spektakuläres Fest, das jeder Besucher unbedingt miterleben sollte.
Text: Nicole Reuter











