Das Megawelle Journal - Inselmagazin für Teneriffa, La Gomera, La Palma, Gran Canaria und El Hierro

ATLAS UND SEINE SIEBEN TÖCHTER - Die Entstehung der Kanaren

Januar 2008: Die Erstgeborene, Majorata, ist erst 20 Millionen Jahre jung und doch durch ständigen Zwist mit Alizé „dem Passatwind“ frühzeitig gealtert. Sie ist in der dritten und letzten Phase ihres Daseins. Heute wird sie in bitterer Weise „Fuerteventura“ genannt, „starker Wind“. Die jüngste Schwester ist Hero oder Esero, was nichts mit Eisen zu tun hat, aber nichtdestotrotz von spanischen Alchemisten in „Hierro“ umgewandelt wurde. Sie ist gerade mal 1,2 Millionen Jahre alt, verlor vor kurzem die ersten Milchzähne und träumt noch in Unschuld.

Zentrieren wir uns. Der „Große Schmied“ Atlas schuf die Welt (das Universum) vor 13.700 Millionen Jahren, danach diese bis zum Zerspringen schöne Murmel vor 4.600 Millionen Jahren, die Alpen vor 30 Millionen Jahren, unsere Gattung „Homo“ vor 2,6 Millionen Jahren, unsere Spezies „Homo sapiens“ vor 200.000 Jahren, mich selbst vor 32 Jahren; und wie wichtig ich mir vorkomme! Wir sind wahrlich nur ein Sandkorn im Wind der Zeit. Wir wissen es, aber wir leben nicht danach. Lebten wir danach, hätten wir weniger Stolz, weniger Zorn, weniger Konflikt, weniger Leid. Atlas wusste das, als er vor 7 Millionen Jahren seine vierte Tochter zeugte. Er hatte Angst, sie würde sich in den Mittelpunkt stellen und die eitelste der sieben werden. Da ersann er einen Plan. Von Poseidon erhielt er die Macht das Wesen seiner Tochter dreizuteilen, und so stiegen nicht eine sondern drei aus dem schäumenden Wasser. Er nannte sie Anaga, Teno und Adeje. Nun wartete er 2 Millionen Jahre, und er sah, dass alles gut war. Die drei hatten alle Tugenden und keine Laster, und so besprach er sich mit dem Dämon Guayota um die drei in eine einzige zu verschmelzen. Ihren Ofen nannten sie Echeyde, „Hölle“, und sie setzten ihn in die Mitte der drei und er wuchs, wuchs und wuchs bis die Vereinigung vollkommen war. Und so wurde Achinech geboren, die grösste, höchste und für viele die schönste Tochter des Atlas.

Die spanischen Alchemisten nannten Echeyde „Teide“. Die Römer nannten Achinech „Nivaria“, die Beschneite. Der Name der uns heute geblieben ist stammt von den Benahoariten, Ureinwohner von La Palma: Tene- = Berg und -ife = weiss, Tenerife – der weisse Berg.

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So, und nicht anders, entstand Tenerife am Rande des Afrikanischen Kontinentalschelfs. Da Atlas‘ Kräfte unvermindert, treibt es den Atlantik immer noch in die Breite. Afrika aber bremst, und so kriecht die ozeanische Kruste unter die kontinentale: Subduktion. Das gibt ein Aufbäumen und ein Erhitzen, einen „Hotspot“, der heute nach wie vor noch aktiv ist. Die Kruste wird brüchig und Magma steigt auf. Vulkanausbrüche folgen. Der Hotspot bleibt, aber die Erdkruste wandert nach Osten weiter. Daher sind die ältesten Inseln der Kette im Osten und die Jüngeren im Westen. Kopfzerbrechen bietet Gomera, indem sie sich leistet im Westen von Tenerife zu liegen, obwohl sie 5 Millionen Jahre älter ist. Hat wohl Angst vor dem Tod. Diese Unverschämtheit wird, laut meinem lieben Geologieprofessor D. Francisco Hernán Reguera, durch Risse erklärt, die sich vom Afrikanischen Atlas-Gebirge gen Westen bis knapp nach Hierro ausbreiten. Diese bringen ein bisschen Chaos in die sauberen Pläne des Atlas.

Wir werden sehen, dass dies nicht die einzigen Falten in seiner Skizze wurden. Auch Achinech, „die Schöne“, behielt ihre Tugend nicht und musste dadurch den einen oder anderen Fall erleiden. Doch das ist eine andere Geschichte, und die erzähle ich ein andermal.

Lesen ist gut, erleben ist besser. In der nächsten Ausgabe werde ich Ihnen einen Rundweg vorschlagen auf dem man auf beeindruckende Weise nachvollzieht, wie diese wundervolle Insel aus dem Wasser emporgestiegen ist.
Gerne können Sie mich kontaktieren und einen geführten Ausflug mit mir vorbereiten. Zu Fuss, mit dem Range Rover, mit dem Bike oder mit dem Kajak.

Bis dahin schliessen Sie die Augen, öffnen Sie Ihren Geist und stellen Sie sich selber vor, wie Sie da sitzen auf dem drittgrössten Vulkankegel der Erde, auf den Kanaren, auf dem Hotspot mit den Rissen. Wie das alles mit Ihnen im Traumtempo nach Osten zieht. Wenn Sie nicht aufpassen landen Sie noch unter Afrika! Wie sich der ganze Planet nach Osten neigt. Der Mond kreist. Die Sonne. Die Galaxie. Das All. Bis Sie ein Staubkorn im Wind der Zeit sind. Wenn es Ihnen jetzt nicht schwindlig wird und Sie jetzt nicht ein Gefühl der Grösse und der Schönheit erfasst, Ihrer eigenen Grösse und Schönheit, dann machen Sie was falsch.
Daniel Groiss
Tel.: 678 236 394, mustelus@gmx.de

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