Das Megawelle Journal - Inselmagazin für Teneriffa, La Gomera, La Palma, Gran Canaria und El Hierro
Musikbühne im Wandel der Zeiten - „F A M E – Das Musical“ in Santa Cruz
April 08: Hola, Freunde der heiteren Musikbühne: Vom 9. bis zum 18. April 2008 richten Sie Ihren Weg ins Teatro Guimerá. In diesen 10 Tagen haben Sie die Auswahl zwischen 14 Aufführungen des US-Musicals „FAME“. Achten Sie dabei auf die Anfangszeiten, denn mehrmals laufen 2 Vorstellungen an einem Tag. Der Vorverkauf über Internet unter www.generaltickets.com ist schon rege im Gange.
F A M E – Das Musical
Derartige Inszenierungen haben bei uns schon einen besonderen Programmplatz. Nach „Cabaret“ und der Musical-Fassung der Queens-Legende „We Will Rock You“ der vergangenen Monate kommt nun ein neues Highlight: „Fame – Das Musical“.
1980 wurde der Stoff nach einer Idee von David DeSilva, dem Buch von José Fernández und der Musik von Steve Margoshes unter der Regie von Alan Parker verfilmt. Nach dieser Vorlage entstand eine TV-Serie, die sechs Jahre lang in 68 Ländern zu sehen war. 1988 kam dann „Fame“ in der Musicalfassung in Miami und New York zur Uraufführung auf die Bühnen und feiert bis heute auf der ganzen Welt stürmische Erfolge.
Worum geht es?
Erzählt wird der große Traum von Glanz, Glück und Ruhm. Im Zentrum steht die Klasse einer amerikanischen Schule mit allen Hochs und Tiefs im Unterricht. Mit Humor und Zuversicht wird der schwere Weg ins Entertainment thematisiert. Dazu kommen die Probleme heutiger junger Menschen. Sie bringen ihre eigenen Erfahrungen in den Bühnenstoff ein. Die Handlung ist in Studienjahre gegliedert, in 5 Akten, von der Aufnahmeprüfung bis zum Studienabschluss im 4. Jahr. Hintergrund der Geschichte ist die New Yorker „High School of Performing Arts“ für Musik, Tanz und Theater. Auf dem Weg zu „Fame“, dem Ruhm auf „den Brettern, die die Welt bedeuten” sind zwei Mädchen, zwei Jungen und sechs andere Akteure (Tänzer). Die Handlung basiert auf viel Tanz und natürlich Musik. Es ist eine Mischung von Techno, Rock, Blues und Rap. Gefühlvolle Musicalpassagen fehlen nicht. Alle Emotionen menschlichen Empfindens sind eingeflochten: Freundschaft, Liebe, Eifersucht Enttäuschung, Glück, Erfolg und Begeisterung. Das findet vokal und tänzerisch eine kongeniale Interpretation.
Wo bleibt die Operette?
Ihr Weg ist ja musikhistorisch ganz geradlinig: Oper, Komische Oper, Singspiel, Operette. Doch jetzt das Musical – verdrängt es die Operette? Die hohe Zeit dieser Bühnengattung ist in Europa spätestens mit dem Ende der 50er Jahre verebbt. Eine strahlende Erfolgsgeschichte der Komponisten wie Linke, Lehar, Millöcker, Strauß, Raymund, Dostal, Stolz und natürlich Altmeister Offenbach inklusive ihrer originellen Texter sind heute nur noch Erinnerung. Der Siegeszug dieses leichten Musikgenres begann schon im 18. Jhd. Ihre Lieder wurden Schlager, ja „Gassenhauer“, und sind noch heute in vieler Munde. Stars dieser Bühnen und Filme sind Legende. Von der hochgefeierten Fritzi Massary bis hin zum ehrwürdigen Johannes Heesters, der mit seinen 103 Jahren immer noch „gern die Frauen geküsst hat“. Aber die Zeit von Frack, Zylinder und weißem Schal ist passé. Abgelöst wurde das Metier durch die neue, zeitmodifizierte Form der Musikbühne, dem MUSICAL. Neu ist dieses Genre auch nicht, Die Kunstform zeigte sich schon Ende des 18. Jh., natürlich im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“.
Das Musical – ein Event unserer Zeit
1911 wetterleuchtete es auf der amerikanischen Musikbühne. Irving Berlin brachte mit „Alexanders Ragtime Band“ den ersten Kontrapunkt zur europäischen Operettenwelt auf die Broadway-Bühnen. Ein Widerpart zum Siegeszug der zuckerbäckerischen, heimatseligen Schlagerwelt des so angehimmelten Opernablegers Operette. Jetzt wird die sogenannte „Heile Welt“ durch Realität abgelöst. Über die Schnulze dominiert zeitnahe Rhythmik. Das Libretto, die Texte werden aktuell und kritisch. Natürlich zeichnen die Komponisten und Autoren auch Anleihen an historischer Literatur, aber immer zeitbezogen, trotzdem erheiternd, unterhaltsam. Viele Beispiele legen Zeugnis ab: Jerome Kerns „Showboat“ von 1927, Richard Rodgers „Oklahoma“ von 1942 oder später L. Bernsteins „West Side Story“. Auch der deutsche Emigrant Kurt Weil ist mit der „Drei-Groschen-Oper“ in dieser Erfolgsliste vertreten.
Nach dem letzten Weltkrieg schwappte die Musical-Welle nach Europa über, speziell nach Deutschland. Adé Operette! Nun kam eine neue Bühnenatmosphäre ins Rollen. Superknüller auf allen Bühnen war Frederic Loewes „My fair Lady“. Erinnern Sie sich: „Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühn“, deklamierte seine Eleysa. Das rief zwangsläufig Komponisten und Librettisten in ganz Deutschland auf den Plan. Erinnert sei an den Ostberliner Tondichter Gerd Natschinski. Seine Musicals „Die Frau des Jahres“ (1963) und vor allem „Mein Freund Bunbury“ (1964) nach Oskar Wildes Vorlage, wurden gesamtdeutsche Erfolge.
Operette im Abseits
Statt Heimat und Sissi kamen jetzt aktuelle Songs, jazzig soulig, blueshaft und swingend auf die Bühne. Und was waren das für Texte! Aktuell, kritisch, manchmal bildzeitungsnah, doch immer literarisch. Bühnenerfolge wie „Cats“, Kiss me Kate“, „Jesus Christ Superstar“ oder das Paradestück „Cabaret“. Nicht zu vergessen der Treffer „Evita“.
Schließen wir aktuell mit FAME ab. Das Ensemble gastiert seit Wochen auf dem spanischen Festland. Eingerichtet hat die spanische Version der Leiter Javier Muñiz.
Das „espectaculo“ dauert 2 Stunden und 40 Minuten. Auch wenn Sie nicht perfekt in im Spanischen sind, die Turbulenz der Handlung wird Sie aus den Sesseln heben!
Heinz-Rodolf Renelt












