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Eine Stadt Im Blumenrausch - Das Blumenfest von Córdoba

Mai 2008: Josefa Campoy bückt sich tief über einen der mehr als 50 kleinen grünen Blumentopf, die in dem Innenhof ihres Hauses an den Wänden hängen. Sie nimmt eines der Blätter in ihre von der Arbeit gezeichneten Hände, schließt kurz die Augen. „Dieses Jahr sind meine Geranien alle gesund“, sagt sie und auf dem faltigen Gesicht der 96-Jährigen erscheint ein zufriedenes Lächeln. Josefa Campoy ist die Pionierin des Festes der Innenhöfe im andalusischen Córdoba. Seit 1933, als eine Gruppe von Nachbarn zum ersten Mal dazu aufrief, die Innenhöfe, die Patios, um die Wette zu schmücken, ist Josefa dabei. „Und ich will nicht sterben, ohne den ersten Preis gewonnen zu haben“, sagt sie, greift zu der ebenfalls grünen Gießkanne, die an einem langen Stab befestigt ist, und beginnt mit Bedacht ihre Blumen zu wässern. Dieses Jahr, so hofft sie, wird sie es mit ihrem im Stadtteil Alcazar gelegenen Innenhof endlich schaffen.

Noch hat sie etwas Zeit, bis sie das eiserne Tor ihres weiß gekalkten Innenhofs öffnet und die Jury hereinläßt, die die Arbeit eines Jahres bewerten wird. Die ersten zwei Wochen im Mai steht ihr Patio dann zusammen mit fast 60 weiteren Innenhöfen der Altstadt Córdobas den Besuchern offen. „Einen Patio zum Wettbewerb zu präsentieren, bedeutet ein ganzes Jahr Arbeit. Im Herbst müssen die Pflanzen überwintert, zugeschnitten und gedüngt werden. Im Winter werden die Wände gekalkt und die Töpfe neu lackiert werden. Und im Frühling beginnt dann die richtig harte Arbeit.“ Dann wird umgetopft, es werden neue Knollen gesetzt und die Pflanzen dürfen keinen Tag aus den Augen gelassen werden, erklärt die Schwiegertochter von Josefa, Ana de Austria Bojollo. Sie jätet seit vier Jahren mit der 96-jährigen Schwiegermutter Unkraut, gießt und verhätschelt die Pflanzen. „Es ist eine schöne Tradition und ich will dazu beitragen, daß sie nicht ausstirbt“, sagt Ana.

Auch Concha und Pepe Torres führen die Tradition ihrer Eltern fort. Beide wohnen mit ihren Familien im Haus der Eltern im Viertel Judería, direkt bei der Moschee. Während in den engen Gassen des ehemaligen Judenviertels die Touristen flanieren, die Händler Flamenco-T-Shirts, Silberschmuck und andalusische Kacheln feilbieten und die Kellner um die Gunst der Gäste buhlen, ist es in dem Patio erstaunlich still. Sobald man von der geschäftigen Straße durch das Eisentor tritt, läßt man die Hektik hinter sich. Ein kleiner Brunnen plätschert und rosa, rote, blaue und gelbe Blumen in grünen Töpfen strahlen von der Wand um die Wette. Bis unters Dach hängen auch hier die Töpfe mit den gerade knospenden Blumen. „Die Arbeit in den Innenhöfen ist gerade für ältere Menschen sehr mühsam. Aber es ist auch unterhaltsam und gerade wenn der Patio mehreren Familien gehört, ist der Wettbewerb ein wichtiges soziales Ereignis“, erinnert sich Concha Torres an ihre Mutter zurück, die sich früher um den Innenhof gekümmert hat. Auch in ihrem Innenhof macht sich langsam Hektik breit. Noch vier Wochen, dann fällt die Entscheidung. Bis dahin haben die beiden noch viel zu tun.

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Ihr Patio tritt wie der von Josefa Campoy in der Kategorie „Traditioneller Innenhof“ an. Das bedeutet, daß das Gebäude zwei Stockwerke hat, eine Eisentür vom Patio den Blick auf die Straße freigibt, die Fassade asymetrisch ist und die Wände gekalkt sind. Alle Innenhöfe, die nicht diese Charakteristika aufweisen, treten in der Kategorie „Moderner Innenhof“ an. Meistens sind dann nur Kleinigkeiten anders, zum Beispiel sind die Wände teilweise gefliest und nicht gekalkt oder die Tür ist nicht aus Eisen, sondern aus Aluminium. Die Preisgelder für die Traditionellen Patios sind höher als die der Modernen. „Die Unterscheidung ist sehr wichtig, denn die Tradition soll so weit es geht gewahrt werden. Jede Veränderung ist ein Kulturverlust“, sagt Pepe Torres. Er würde die Latte für die traditionellen Patios sogar noch höher legen als es das Rathaus tut. Doch die Jungen verlieren langsam das Interesse an den Innenhöfen. „Das Leben ändert sich. Kaum jemand hat heute noch so viel Zeit für Blumen“, sagt auch Concha Torres.

Die Tradition der mediterranen Häuser, die um einen Innenhof angelegt sind, stammt aus der Römerzeit, wo jedes Haus ein Atrium hatte. Doch die aktuelle Form der Patios in Córdoba geht auf die arabischen Eroberer im Mittelalter, auf die Mauren zurück. Die Dreiheit von Luft, Wasser und Vegetation, die den maurischen Wohnraum bestimmt, findet man heute in Córdobas Innenhöfen wieder. Oasen der Ruhe, wo Wasser gurgelt, Blumen duften und ein angenehmer Luftzug weht, sind auch die Patios von Concha und Pepe Torres und von Josefa Campoy. Wenn im Mai das Quecksilber steigt, gerät man in den Innenhöfen von Córdoba in einen Blumenrausch.

Veronika Frenzel

2008 öffnen sich die Patios vom 7. bis zum 18. Mai dem Publikum.
Webseite des Wettbewerbs (auf spanisch):
www.patiosdecordoba.net
Hotels in Córdoba (auch auf englisch):
www.turismodecordoba.org

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