Das Megawelle Journal - Inselmagazin für Teneriffa, La Gomera, La Palma, Gran Canaria und El Hierro

Einmal Weltraum und zurück - Im Museum von Wissenschaft und Kosmos

Mai 2008: Das Museum, ein interaktives Lernzentrum, entstand auf Initiative des „Instituto de Astrofísica de Canarias“. Dieser moderne Bau ist gut mit der neuen „Tranvía“ von Santa Cruz oder La Laguna aus zu erreichen (Parada: Museo Ciencia). Schon von weitem erkennt man den großen Parabol-Spiegel zum Empfang von galaktischen Funksignalen. Eine Kosmos Ausstellung im weitläufigen Foyer erinnerte im April an die fast 70 Jahre Eroberung des Weltraums.
Wir haben sie besucht.

Auf der Suche nach der Unendlichkeit
Uralt ist die Sehnsucht der Menschen, das Universum zu entschlüsseln, zu deuten, zu erforschen. In alten Kulturen inspirierten die Gestirne das Denken über Raum, Zeit und (Un-)Endlichkeit. Der geniale Mathematiker Archimedes (287-212 v. Chr.) formulierte schon damals: „Gebt mir einen festen Punkt im Weltall und ich hebe die Erde aus den Angeln“. In der Neuzeit verkündete besonders der italienische Philosoph Giordano Bruno (1548-1600) die vergessene, uralte Erkenntnis, daß die Erde eben keine Scheibe ist. Seine phantastische Erkenntnis von der Unendlichkeit des Universums und der Erde als Kugel, als Planet in ihm, kostete ihn als „Ketzer“ sein Leben auf dem Scheiterhaufen. Der Däne Tycho Brahe (1546-1601) manifestierte neue Erkenntnisse als Hofastronom in Prag in Assistenz des jungen Johannes Kepler. (1571-1630). Später beweist dieser deutsche Forscher: Die Planeten umkreisen die Sonne in elliptischen Bahnen mit ihr als Mittelpunkt (Keplersche Gesetze).

Auch Romanautoren ließen sich vom Weltraum inspirieren. Einer der bekanntesten war der Franzose Jules Verne (1828-1905). Zum Bestseller wurde „Von der Erde zum Mond“ (1873). Verne begründete damit die heute noch so beliebte Science-fiction-Literatur. Und – er inspirierte die Forscher und Wissenschaftler seiner Zeit bis in das 20. Jhd.

Die Industrialisierung zusammen mit der mordenen Naturwissenschaft sorgte nun für eine rasante Entwicklung: Die Brüder Wright und Otto Lilienthal erfüllten den Menschheitstraum vom Fliegen. Fast parallel dazu begann auch die Geschichte der modernen Raketentechnik. Der russische Lehrer K. E. Ziolkowski (1857-1935) beschäftigte sich als einer der ersten mit Raumfahrtproblemen durch Raketen und verfaßte die Schrift „Erforschung des Weltraums mit Hilfe von Reaktionsapparaten“, ein Grundlagenwerk. Von J. Vernes Romanen inspiriert war der Siebenbürger Herrmann Oberth (1894-1989). Er wurde der eigentliche Vater der Raketentechnik, baute die Versuchsanstalt in Peenemünde mit auf und entwickelte ab 1955 in Huntsville/USA lenkbare Weltraum-Raketen.

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Der Weg ins All
Bekannter als Oberth ist aber sein Schüler Wernher von Braun (1912-1977). Er wurde Chef des „Peenemünder Objekts“, Oberth war sein wichtigster Mitarbeiter. Zusammen entwickelten sie das „Aggregat 4“ oder „A 4“, das von der Propaganda „V2“ genannt wurde. Es war die erste Rakete, welche mit 27.000 m Höhe den Weltraum erreichtete. Als nach 1945 auch die Sieger den militärischen Nutzen der Raketentechnik erkannten, wurde W. v. Braun mit seinem Team in die USA geflogen, aber auch die Sowjets entführten alle Spezialisten, die sie auftreiben konnten. Braun war der führende Kopf bei der Entwicklung der Saturn 5-Rakete. Vergessen wir aber nicht die Leistungen der russischen Experten, die zur selben Zeit Enormes realisierten.

Es macht „piep“ aus dem Orbit
Am 4. Oktober 1957 donnerte eine Stufenrakete aus der kasachischen Steppe, kurz darauf war das erste menschengemachte Objekt in einer Umlaufbahn. Es hieß „Sputnik“ und sendete ein deutliches Funksignal zur Erde. Damit begann das eigentliche Weltraum-Zeitalter. Erst im Januar 1958 bringen die USA ihren ersten „Explorer“-Satelliten ins All. Inzwischen experimentieren die Russen mit den nächsten Sputniks schon mit Tieren. Die nun folgende Gründung der NASA soll den USA eine Vormachtstellung sichern. Doch während Amerika noch Spionagesatelliten stationiert, waren die Sowjets 1959 schon nahe am Mond.

Im April 1961 ist der sowjetische Major Juri Gagarin in seiner „Wostok“ der erste Mensch im All, kurz darauf geht als erste Frau Valentina Tereschkowa in den Erdumlauf. Ab nun folgt Sensation auf Sensation. Die Anstrengungen der Konkurrenten koordinieren sich. Astronauten (US) und Kosmonauten (UdSSR) verlassen ihre Weltraumkapseln zu „Spaziergängen“ im Orbit.
1969 setzt angeblich die Landefähre „Eagle“ von Apollo 11 auf der Mondoberfläche auf. Heute wird die bemannte Mondlandung allerdings von verschiedenen Autoren als Propagandamanöver ernsthaft bezweifelt. Wie auch immer – jeder mag glauben, was ihm wohl tut. Natürlich gab es Pannen und Unfälle in dieser Pionierarbeit. Aber es gab keinen Stillstand in der Erforschung des erdnahen und galaktischen Raumes.

Raumfahrt - ein Job wie jeder andere
Inzwischen ist der Alltag eingekehrt im All: Fast 2.000 „Himmelsspäher“ umkreisen mittlerweile unseren Planeten oder sondieren im Sonnensystem. Die Liste der „Weltraumfahrer“ zählt schon über 200 Namen. Den schon kreisenden „Weltraum-Schrott“ mal gar nicht eingerechnet. Aber ohne Satelliten wäre unser wissenschaftlicher Standard nicht mehr denkbar. Astronomen, Physiker, Geologen, Geographen, Meteorologen, Mediziner und nicht zuletzt die Militärs inklusive der Umweltaktivisten nutzen die Daten der „Augen aus dem All“. Sogar die Volksrepublik China mischt neuerdings bemannt in der Erdrundfahrt mit.

Nicht immer ist die US-Raketentechnik die Zuverlässigste. Dann aber hilft allemal die alte robuste russische Sojus-U von 1973, transportiert und rettet notfalls Besatzungen von der ISS. Auf die Russen ist Verlaß im All, das haben sie schon oft demonstriert. Und wenn nicht US- oder Sojus, dann haben wir heute die erfolgreiche ESA-Erfolgsrakete „Ariane“ aus Europa.

Ein Rundgang durchs Museum
An all das und noch mehr erinnert die Ausstellung im Museum der Wissenschaften und des Kosmos in La Laguna. Über 100 Exponate aus Themen und Ergebnissen der zivilen Raumfahrt, sind hier zusammengetragen, von physikalischen, geodätischen bis zu meteorolgischen, astronomischen oder vulkanischen Aspekten, und als kleine Experimente zum Mitmachen arrangiert. Speziell unsere Insel ist einbezogen. Visuell können Sie einen Vogelflug über Teneriffa unternehmen und ganz artgerecht aus einem Cockpit-Sessel Ihre Zielobjekte ansteuern. Oder einen echten Meteoriten hautnah befühlen. Sie können Ihre Intelligenz testen. Untersuchen Sie die interstellaren Ergebnisse der Erderforschung, besonders der Vulkan-Tätigkeit am Teide. Oder versuchen Sie praktisch die Richtigkeit der Hebelgesetze von Archimedes nachzuvollziehen. Mit nur einer Hand einen Pkw in die Luft heben? Kein Problem. Kinoraum, Studios, Vortragsräume und ein kleines Automatenrestaurant. Und Sie können auch noch einen Besuch im Planetarium ordern. Soweit das Positive.

Nun die Negativa: Vergeblich fragt man an der Rezeption nach einem Lageplan oder einer Publikation über das Museum. Auch spanisch lesen und hören sollten Sie können, sonst entgehen Ihnen die klugen Informationen. Dafür ist der Eintritt sonntags frei (montags geschlossen).

Doch das Thema „Weltall“ beschäftigt Teneriffa auch außerhalb des Museums. In den nächsten Wochen haben wir ein Pink-Floyd-Memorial mt dem Superalbum „The Dark Side Of The Moon“. Und ich verabschiede mich von unserem Besuch mit dem Jazz-Klassiker „How High The Moon“. Interaktiv grüßt Ihr „Mann im Mond“

Heinz-Rodolf Renelt

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