EINE ROMERÍA DER BESONDEREN ART - Das Fest der Sta. Bárbara in Icod

EINE ROMERÍA DER BESONDEREN ART - Das Fest der Sta. Bárbara in IcodDie „Bollos“ hingegen sind ganz Frauensache: Ein Brotteig wird in verschiedenen Formen gebacken und später mit bunten Bändern, Papierblumen und kleinen Figuren, die auf Strohhalme gesteckt wurden, verziert. Diese Figuren haben ihren Ursprung bei den Nonnen der Klöster in Garachico, die sie liebevoll aus „alfeñique“, einer Zuckermasse formten.
Später übernahmen die Nonnen in La Laguna diese Aufgabe und gestalteten vor allem Tierfiguren, Katzen, Vögel, Schmetterlinge, sowie Blumen. Oft verlief der Zucker in der Hitze, doch heute hat man eine haltbarere Mischung gefunden. 70 - 100 Figuren zieren den „Bollo“, den die unverheirateten jungen Frauen auf dem Kopf bis zur Kirche tragen. Heute sind es 12 Bollos, jeder symbolisiert einen Buchstabe für „Santa Bárbara“, und folglich sind es auch „12 señoritas“, die die Bollos auf dem Kopfe tragen. Jeder Bollo ist mit mindestens 100 bunten Bändern geschmückt, aber auch bis zu 190 wurden schon gezählt.

Heutzutage wird der große Umzug, der in Icod de los Vinos beginnt und einige Kilometer bis zur Kirche von Santa Barbara geht, in kanarischen Trachten begangen. Aber dieser Brauch begann erst 1979. Vorher trug man einfach die schönsten Kleider, die man aufbieten konnte. Und es gab auch noch keine Folkloregruppen zur Musikbegleitung, sondern ein Mädchen ging mit einem Akkordeon voran. Heute ist der Umzug viel bunter geworden - nicht nur durch die Trachten, Musik- und Tanzgruppen, sondern auch durch ein Detail, das man bei anderen Fiestas abgeguckt hat: An Stöcken werden Zweige oder ebenfalls bunte Bänder befestigt, die dann wie Fahnen geschwungen werden. Dazu knallen ständig die unvermeidlichen kanarischen Böller, die früher auch seltener waren, aber nur, weil man kein Geld dafür hatte.

EINE ROMERÍA DER BESONDEREN ART - Das Fest der Sta. Bárbara in IcodAm Portal der Kirche angekommen, werden die Bollos unter den Cestos am Laubdach aufgehängt, dann wird die Messe gelesen und es folgt ein typisch kanarisches Volksfest mit „Verbena“, d.h. Tanz auf der Straße, Wein und einem nächtlichen Feuerwerk.

Wer also die sommerliche Romería-Saison verpaßt oder von den vielen Fiestas noch immer nicht genug hat, der kann Ende August in Santa Bárbara weiterfeiern, bei einem Fest, das es so nur hier gibt. Ach ja: Bei der Demontage der Cestos und Bollos in der Woche danach kann man einen Obsttag einlegen oder sich an Zuckerfigürchen gütlich tun. Was heute kaum noch jemanden begeistert - früher war es das Fest nach dem Fest.

Auch das ist kanarische Tradition: Fiestas beginnen immer schon vorher und dauern dafür etwas länger. Beneidenswert!

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