Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit
Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit 2008 (27.04.)L II: 1 Petr 3, 15-18 / Ev.: Joh 14, 15-21
Schwestern und Brüder!
So eine Fernbedienung ist schon was Tolles: Man kann damit zwischen den Fernsehprogrammen hin- und herzappen; man kann die Lautstärke ändern und muss dazu nicht mal sein geliebtes Sofa verlassen. Selbst beim Ausschalten erspart man sich das Aufstehen, denn die rote Standby-Leuchte signalisiert deutlich, dass das Gerät in Bereitschaft bleibt. Ein Tastendruck genügt und der schwarze Bildschirm zeigt wieder bewegte Bilder. Standby – eine bequeme Einrichtung sowohl bei Fernsehern, Stereoanlagen als auch Computern, um aus dem Ruhezustand sofort wieder in den Vollbetrieb wechseln zu können. Standby – dieses Wort wird mit Bereitschaft übersetzt und heißt wörtlich ins Deutsche übertragen eigentlich „Beistand“. Und ein Beistand, das ist ja nun jemand oder etwas, das im Hintergrund schlummert, um jederzeit aktiv werden zu können, wenn es gebraucht wird. Wie eben so ein elektronisches Gerät im Standby-Betrieb.
Für uns befindet sich nun in jedem Augenblick unseres Lebens eine göttliche Person in einem genau solchen Standby-Betrieb. Unaufdringlich im Hintergrund, aber stetig da und in Bereitschaft. So zumindest hat es Jesus seinen Freunden damals versprochen, als er ihnen den Hl. Geist zugesagt hat. Dieser Heilige Geist, so sagt er im heutigen Evangelium, wird immer bei euch bleiben, auch dann, wenn für mich die Stunde des Abschieds von euch kommt. Er wird in euch wirken, wann immer ihr euch auf ihn einlasst, wann immer ihr ihn quasi „aktiviert“. Und dieses Versprechen Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger damals, das gilt natürlich in derselben Art und Weise auch uns heute. Bleiben für mich nur die Fragen: Mit welcher „Fernbedienung“ kann ich diesen Beistand aktivieren? Und was bringt er mir im alltäglichen Leben?
Bezüglich der „Fernbedienung“ liefert uns Jesus eigentlich die Antwort gleich mit. Er sagt: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und unter seinen Geboten versteht Jesus nichts anderes als: Gott zu lieben, den Nächsten und zwar wie sich selbst – nicht mehr und nicht weniger. Dabei ist die Liebe zu sich selbst wohl der erste und wichtigste Schritt. Denn jemand, der sich selbst nicht leiden kann, der mit sich und seinem Leben unzufrieden ist, der wird auch niemand anderen und letztlich auch Gott nicht leiden können. Er wird wegen seiner Unzufriedenheit mit sich selber immer neidisch auf andere sein und er wird Gott stetige Vorwürfe machen, warum der ihm nicht noch dies oder jenes in seinem Leben mit dazu gibt.
Andersherum kann natürlich jemand, der mit sich im Reinen ist, dem anderen auch etwas gönnen, kann er sich am Erfolg des anderen mitfreuen, weil er ja mit sich selbst zufrieden ist. Jemand der sich so selbst liebt, der wird genau aus diesem Empfinden heraus auch in der Lage sein, seine Mitmenschen und auch Gott zu lieben. Und ein Mensch, der so lieben kann, der kann natürlich auch im Sinne Jesu den Hl. Geist in sich aktivieren. Womit wir bei der zweiten Frage wären: Wie wirkt denn dieser Heilige Geist im Leben eines Menschen?
Jesus spricht in unserem Evangelium davon, dass der Hl. Geist uns Menschen die Wahrheit erkennen lässt; eine Wahrheit, die die Welt so oft nicht erkennen kann. Für uns Glaubende gibt es deshalb hinter den wissenschaftlichen und philosophischen Wahrheiten eine Wirklichkeit, die unmittelbar mit Gott zusammenhängt. Sicherlich - die Genforscher können heutzutage feststellen, dass der Mensch 30 – 40.000 Gene hat, doch wie diese mit ihren Erbinformationen zustande kommen, wie sie aus einem männlichen Samenfaden und einer weiblichen Eizelle entstehen, das bleibt letztlich eben doch ein Geheimnis – Gottes Geheimnis. Ebenso ist es sein Geheimnis, dass nur wir Menschen die Möglichkeit haben, über uns selbst hinauszufragen. Sich Fragen zu stellen wie z.B.: Wozu lebe ich? Wer bestimmt meinen Weg? Wie kommt’s, dass ich versage oder gar schuldig werde, ohne es zu wollen? Bis hin zur Frage alle Fragen: Was wird sein, wenn ich sterbe?
Jesus versichert den Seinen: Ihr bekommt diesen Geist der Wahrheit, der euch den nötigen Durchblick und das notwendige Verstehen schenken wird. In ihm werdet ihr erkennen, was mein Tod am Kreuz für euch bedeutet. Und das ist auch ganz wichtig. Denn ohne diesen Geist der Wahrheit begreifen wir Menschen nicht, weshalb das alles geschehen musste. Viele von uns können auch den Zusammenhang von eigener Schuld und zerstörter Gemeinschaft nicht erkennen und werden so eben auch die Gabe der Vergebung durch Jesus in ihrem Leben nicht einordnen können. Die aber, die den Geist der Wahrheit in sich haben, die sind durch ihn in der Lage, unbeirrt ihren Weg im Glauben zu gehen.
Wer nun aber dieses Leben im Glauben geht, der hat das wahre Leben vor sich. Wie betont Jesus: „Ihr seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr Leben werdet.“ Dass unser menschliches Leben begrenzt ist – oft schmerzlich be-grenzt ist – wissen wir alle. Jedes irdische Leben geht einmal zu Ende, bricht eines Tages ab. Wir werden dagegen kein Mittel finden können und auch die allseits gelobte Genforschung wird den Tod nicht beseitigen können. Doch wenn Jesus uns gerade im Blick auf seinen Abschied Leben verspricht, dann meint er damit eben jenes Leben für uns, das auch er jetzt innehat. Es ist das Leben nach dem Sterben, das diesen Namen wirklich auch verdient. Gott selbst ist es doch, der den Deckel vom Massengrab Erde gehoben hat, als er Jesus von den Toten auferweckte. Seither sind die Gräber der Angst und der Vergeblichkeit von Gott her aufgebrochen und wir alle dürfen uns der offenen Arme des liebenden Vaters gewiss sein. Wir alle werden das bleibende Leben empfangen, weil wir uns von Jesus den Heiligen Geist haben schenken lassen. Sicherlich: Wir wissen noch nicht, wie es in dieser ewigen Gotteswelt sein wird. Das ist richtig. Aber wir kennen den, der uns dort erwartet. Es wird der sein, der uns auf den lustigen aber auch den traurigen Wegen unseres irdischen Lebens begleitet und getröstet hat. Der niemanden übersehen hat, weder in den Häusern noch auf der Strasse. Der immer auch zugegen war in den Kliniken, den Altenheimen und Notunterkünften; der uns immer sein offenes Ohr geschenkt hat für ein vertrautes Gespräch oder ein Gebet, und der nie zögerte, uns zu vergeben, wenn wir uns unserer Verwirrungen bewusst waren. Eigentlich müsste sich bei solchen Aussichten doch eine frohe Erwartung in uns einstellen – denn wir werden nichts verlieren, sondern alles gewinnen.
Wie sagte der russische Dichter Dostojewski kurz vor seinem Tod: „Mein Leben geht zu Ende. Ich weiß und fühle es. Doch mit jedem sich neigenden Tag spür ich auch, wie dieses mein irdisches Leben übergeht in ein neues, unendliches, unbekanntes Leben, dessen Vorgefühl meine Seele vor Entzücken erzittern lässt, meinen Geist erleuchtet und mein Herz vor Freude weinen macht.“
Also, Schwestern und Brüder, wir Christen sind keine zurückgelassenen Verlierer, weil wir den Heiligen Geist in uns haben. Durch ihn hat jede und jeder von uns seinen Platz im Herzen Jesu und für jede und jeden von uns sorgt Jesus selbst. Das sind Wahrheiten, für die Jesus sich selbst verbürgt. In jedem Augenblick meines Lebens - und über dieses Leben hinaus – steht Jesus auf meiner Seite. Wer diese Wahrheit verstanden und kapiert hat, der kann optimistisch und gelassen durch dieses Leben gehen, denn er oder sie weiß: Egal was kommt - ER ist für mich da. Also: Aktivieren wir diesen Geist in uns, damit wir selber die Angst verlieren und die nötige Gelassenheit gewinnen. Zum Segen für uns selbst, aber auch für unsere Mitmenschen. Denn was geist-erfüllte Menschen für sich und andere bewirken kön-nen, an Liebe und Zuwendung, an Frieden und Mitmenschlichkeit, das ist unermesslich. Deshalb: Schalten wir um auf den Hl. Geist, den Beistand in unserem Leben – denn für ein Dahindämmern im Standby-Modus, da ist er nun wirklich viel zu schade.
Fürbitten:
Jesus verheißt uns den Beistand des Geistes, der mit göttlicher Fülle bei uns wohnen will und uns die Gegenwart Gottes in unserer Welt und in unserem Leben bewusst macht. Im Vertrauen auf diese Nähe beten wir:
V.: Sende aus deinen Geist - A: Und das Antlitz der Erde wird neu!
- Für Christen in aller Welt, die wegen ihres Glaubens bedroht werden oder Nachteile erdulden müssen; für die irakischen Christen, um deren Aufnahme in Deutschland gestritten wird. Sende aus deinen Geist.
- Für die Menschen in aller Welt, die aufgrund der hohen Lebensmittelpreise Hunger leiden müssen; für die Kleinbauern in den Entwicklungsländern, die ihre Produkte nicht absetzen können. Sende aus deinen Geist.
- Für alle, die auf den Beistand, den Heiligen Geist vertrauen; für alle, die sich eine Stärkung im Glauben erhoffen. Sende aus deinen Geist.
- Für die Gläubigen, die Rede und Antwort stehen, wenn sie nach dem Grund ihrer Hoffnung gefragt werden; für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deiner Kirche, die Menschen zu einem Leben aus dem Glauben ermutigen. Sende aus deinen Geist.
- Für unsere Verstorbenen – heute beten wir ganz besonders für N.N. – (die ihrer Familie ein Vorbild auf dem Weg des Glaubens war) und für alle Opfer von Gewalt und Krieg, von Unfällen und Katastrophen. Sende aus deinen Geist.
Guter Gott, durch Jesus Christus hast du uns zugesagt, dass wir nicht alleine bleiben. Wir danken dir für den Geist der Wahrheit und der Liebe und loben Dich heute und alle Tage bis in Ewigkeit.









